18.10.2016

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LED – DIE LICHTREVOLUTION - WIRKLICH?

15.06.2016

Gespräch mit

Fritz Staudinger

 

Wie immer, wenn eines das andere ablöst, glaubt man, jetzt ist alles anders. Ist LED das Allheilmittel gegen hitzköpfige, stromfressende Lampen? 10 Fragen – 10 Antworten an und von Ing. Fritz Staudinger

 

 

Frage 1:

Was ist LED?

 

Fritz Staudinger:

Was? Willst du mich abprüfen? Also gut: LED heißt light emitting diode, wurde bereits 1962 erfunden, hatte aber erst in den 90er Jahre seinen Durchbruch. Gut? Zufrieden?

 

Frage 2:

Gut, Danke. Ist LED mit der Wachablöse Schallplatte und CD in den 80er Jahren vergleichbar?

 

Fritz Staudinger:

Durchaus. LED ist eine Lichtrevolution. Es löst herkömmliche Lichttechnik in vielen Bereichen ab. Vieles, was bisher unmöglich war oder zu komplex, wird durch LED möglich. Aber auch nicht alles.

 

Frage 3:

Was sind die Vorteile?

 

Fritz Staudinger:

Punkt 1, ganz klar: Der höherer Wirkungsgrad. Punkt 2: Die längere Lebensdauer. Punkt 3: Die vielfältigere Möglichkeiten.

Man muss sich das mal vorstellen: Was früher 800 Watt Leistungsaufnahme waren sind heute in LED 180 Watt. Die geringe Wärmeentwicklung reduziert auch den Klimatisierungsaufwand. Früher hat man für 300 Lampen eine Klimaanlage gebraucht, heute kommt man mit der üblichen Klimatisierung durch. Weitere Vorteile sind etwa die kleineren Bauformen. 

 

Frage 4:

Was kann LED? Alles? Oder noch mehr? Oder wo ist Schluss mit LED?

 

Fritz Staudinger:

Natürlich setzt die Lichtstärke Grenzen. Noch! Einen 4Kw HMI kann man noch nicht ersetzen, oder Verfolgerspots mit 2,5 kW HMI für Open Airs, da kommt man mit LED noch nicht hin. Aber es verbessert sich laufend. Früher galt, einen Stufenlinsenscheinwerfer mit 600 Watt kannst du durch LED ersetzen, heute sind es 1.000 Watt. Oder Moving Lights mit 800 bis 1.000 Watt waren früher das Ende der Fahnenstange, heute sind wir bei 1.600 Watt.

 

Frage 5:

Also über kurz oder lang alles auf LED umrüsten?

 

Fritz Staudinger:

Alles was Sinn macht. Step by step. Den natürlichen Abgang einfach durch LED ersetzen. Oder bei Neuinvestitionen: Wenn ich auf der Bühne zum Beispiel 60 Moving Lights habe und die könnte ich durch LED ersetzen, dann ist das natürlich eine tolle Sache. Dann macht der frühe Umstieg einen Sinn.  

 

Frage 6:

Lebt LED ewig?

 

Fritz Staudinger:

Theoretisch ja. Praktisch? Keine Ahnung. Es hat noch keiner erlebt (lacht). Aber die Bauart lässt theoretisch, wenn sie nicht überhitzt werden, eine unbegrenzte Lebensdauer zu. 

 

Frage 7:

Stichwort Stromersparnis. Ist das ein Thema?

 

Fritz Staudinger:

Nun ja, die Stromersparnis kommt ja im Eventbereich immer dem Veranstalter zugute. Aber was hier zählt: LED ist eine enorme Erweiterung der Möglichkeiten. Und das wiederum ist ein Konkurrenzvorteil. Es gilt die alte Weisheit: Alles was eingespart wird, wird auch wieder ausgegeben. Bei Rockkonzerten, wo LEDs gerne eingesetzt werden, gibt’s halt nicht eine einzelne LED sondern gleich zig Quadratmeter LEDs. LED Wände sind halt bombastisch. Jeder will sich visuell abheben. Die Ersparnis zählt eher im mittleren bis kleinen Bereich. Es gibt ja jetzt auch schon Videoprojektoren mit LED, und das Licht ist gewaltig.

 

Frage 8:

Was kann LED besser?

 

Fritz Staudinger:

LED ist ein Impulsgeber für Spielereien, für kreativen Lichtgestaltung. Ein Beispiel: Mit LED ist das Dimmen ohne Änderung der Farbtemperatur möglich. Sagt jetzt das Theater, aber wir lieben dieses spezielle Dimmverhalten des Glühlichtes, dann sage ich: gut, kein Problem, in einer LED funktioniert alles elektronisch, also kann ich das auch linear nachbilden. Mit LED kann ich heute alles elektronisch nachbilden. Wo heute überall LED verbaut ist, ist manchmal selbst für den Profi nicht mehr auf Anhieb erkennbar. Zum Beispiel bei Audience Blindern, einer charakteristischen Lichtquelle bei Rockgruppen, wo man immer sagte, das geht nur mit Halogenlicht. Geht inzwischen auch mit LED. Der Scheinwerfer besteht ja nicht aus nur einem Licht sondern aus RGBW, um Farben mischen zu können. Je nach Größe des Scheinwerfers aus bis zu 36 Elementen. Jetzt kann man jede einzelne LED individuell ansteuern und zusätzliche interessante Effekte erzielen, zum Beispiel rund um ein zentriertes Licht eine Farbkorona. Früher hat man für jeden Zweck einen eigenen Scheinwerfer gehabt, jetzt kann jeder Schweinwerfer – fast – alles. Da wartet noch eine riesige Spielwiese, das ist entwicklungsmäßig noch lange nicht ausgereizt.

LED hat für jeden etwas, Theaterlicht, Fernsehbranche, Veranstalter.

 

Frage 9:

Wo macht LED Sinn, in welchen Bereichen spielt LED eine große Rolle?

 

Fritz Staudinger:

Überall dort wo man schnell und flexibel sein muss. Zum Beispiel im Cateringbereich. Als Lichttechniker ist man ja immer abhängig davon, wann der Caterer entscheidet, wie sein Büffet ausschaut. Hier wird oft schnell einmal umarrangiert. Da LED mit wenig Strom auskommt, macht der Akku-Betrieb Sinn, man ist leicht und flexibel: Umstellen ohne Kabel, Zuleitung, Abpicken. LED ist klein, leistungsstark, wenn es dann auch noch eine schöne Lampe ist, na bitte, Catererherz, was willst du mehr.

Man könnte sagen: LED Technologie triggert die Akku Technologie. Ein gutes Beispiel ist hier auch die Sicherheitstechnik: Strom fällt aus, Notausgang muss leuchten. Mit LED geht das wesentlich leichter. Notenpulte, Stiegen, überhaupt die Gebäudesicherheit und Veranstaltungssicherheit. Hier ist LED wirklich eine Verbesserung.

 

Frage 10:

Last but not LED: Ein Zukunftsprognose. Was kommt nach LED?

 

Fritz Staudinger:

Da meine Kristallkugel leider – noch – nicht mit LEDs läuft kann ich das nicht sagen. Aber eines ist sicher. LED ist ein Turbo für andere Technologien. Die LED Technologie hat sich immens rasch entwickelt. Auch das Denken. Am Anfang hat man versucht, eigene LED Scheinwerfer zu bauen. Aber bitte, was macht ein Theater mit einem Bestand von 400 Profilscheinwerfern? Wegschmeissen? Also hat man begonnen umzudenken. Man hat die Gehäuse gelassen und nur die LED gewechselt, das ging soweit, dass man LED Leuchtkörper in bestehende Glühlampenfassungen eingesetzt hat. Neuankömmlinge am Markt oder nicht so renommierte Firmen haben sich von vornherein nur auf die LED Leuchtmittel spezialisiert, sie aber für bestehende Komponenten passend gemacht. So zum Beispiel bei ETC, einem renommierten hochspezialisierten Hersteller, der reine Theater Profilscheinwerfer herstellt. Hier lautete das Versprechen der Zulieferer an die Abnehmer: „Wir bieten Euch LED Engine, ihr könnt aber euren bestehenden Tubus verwenden, unsere LED ist ETC kompatibel.“ Das hat funktioniert. Als nächstes sagte ETC, das können wir aber auch selbst. Und so gibt es heute von ETC sowohl neue Scheinwerfer mit LED aber auch die LED Nachrüstung für bestehende Scheinwerfer. Das heißt, der Zuliefermarkt hat den Primärmarkt dazu gebracht neu nachzudenken, neu zu entwickelnd und selbst zu produzieren. Früher hat es nie ein solch hohes Konkurrenzverhältnis gegeben. Das peitschte die Qualität hoch. Alle sind extrem gefordert. Das kommt der Branche zugute. Die LED Technologie hat das Qualitätsniveau aber auch das Innovationskraft des gesamten Marktes gehoben. Und die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende.

Na, und das ist ja nichts Schlechtes.

 

Danke für das erleuchtende Gespräch.

 

Ing. Fitz Staudinger ist geschäftsführender Gesellschafter der BMS Production Group sowie Dozent und Trainer der öffentlich rechtlichen Werkmeisterschule für Veranstaltungs- & Eventtechnik

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